Wie die Kapverden zu ihrem Namen kamen
Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn sie an die kapverdischen Inseln denken?
Die Badeinsel Sal mit den langen weissen Sandstränden und athletischen Kitesurfern? Oder Gelson Fernandes, der ehemalige Schweizer Nationalmannschaftsspieler mit kapverdischen Wurzeln? In jedem Fall lässt einen der Name etwas in die Irre führen, denn mit einem grünen Kap (Cabo Verde) haben die meisten der neun bewohnten Inseln nicht viel gemeinsam. Als die Portugiesen im 15. Jahrhundert einen Vorsprung an der senegalesischen Küste entdeckten, nannten sie ihn aufgrund der dortigen Vegetation „Grünes Kap“. Kurz darauf entdeckten sie die Inseln im Atlantik und benannten sie nach dem Küstenpunkt – also „Inseln vor dem grünen Kap“.
Entspannen auf Sal
Die Edelweiss fliegt seit einigen Jahren direkt ab Zürich nach Sal und Boa Vista. Aufgrund dieses Direktfluges startet unsere Wanderreise auf Sal, obwohl die Insel natürlich vor allem als Badeziel bekannt ist. Die Salzgewinnung von früher kann man auch heute noch bestaunen – oder sich gleich in ein hochkonzentriertes Salzbecken legen. Ansonsten fahren wir auf Sal einen Gang herunter und geben uns ganz dem Inselmotto „No Stress“ hin. Die Strände sind wunderschön und laden zu einem ausgiebigen Schwumm im warmen Atlantik ein.
Wanderparadies Santo Antão
Während unserer Baumeler-Wanderreise besuchen wir tatsächlich auch eine „grüne” Insel. In den fruchtbaren Tälern von Santo Antão trifft sich die europäische Wanderszene. Wir staunen nicht schlecht, was hier alles gedeiht! Zuckerrohr, Maniok, Yams, Kaffee, Kokosnüsse und vieles andere mehr. Das muss natürlich alles probiert werden – am besten bei Dona Kica. Sie lebt mit ihrer Familie in Figueiral de Cima und hat eine grandiose Aussicht ins Tal. Bei ihr werden wir nicht nur kulinarisch verwöhnt, sondern packen auch selbst mit an. In der Küche liegt eine riesige Brotfrucht bereit. Mir nichts, dir nichts drückt uns Kica ein Küchenmesser in die Hand, um die Frucht in feine Stangen zu schneiden. Danach wird die Brotfrucht in Kokosöl frittiert, etwas gesalzen – und schon steht unser Apéro bereit. Dazu gibt es ein Gläschen Ponche de Maracujá, einen Inselcocktail aus lokalem Zuckerrohrschnaps, der ausgezeichnet schmeckt.
Mindelo – wo die Musik zu Hause ist
Knapp eine Fährstunde von Santo Antão entfernt liegt meine absolute Lieblingsstadt der Kapverden: Mindelo! Mindelo! Sie eignet sich besonders gut für europäische Afrika-Neulinge. In den Supermercados hier findet man so ziemlich alles, was man braucht. Noch besser lässt es sich aber auf den lebendigen Märkten einkaufen, wo es rassige Gewürze, fangfrischen Fisch, Ziegenkäse oder Papayas gibt. Tagsüber sind die vielen farbenfrohen Kolonialbauten der Portugiesen ein wahrer Blickfang. Abends erklingen dann aus den kleinen Gassen der Stadt melancholische Morna-Klänge. Dank der berühmten Sängerin Cesária Évora, die 2011 verstarb, wurde die „Morna“ (klassifiziert als Weltkulturerbe) weltweit bekannt. Mit ihren barfuss absolvierten Auftritten hat sie dieses Lebensgefühl in die Welt getragen. Wenn man einmal auf den Kapverden ist, wird man die Mischung aus Wehmut und Leichtigkeit, die die Inseln durchdringt, selbst spüren. Musik spielt hier eine sehr große Rolle und die Einheimischen haben einen tief verwurzelten Sinn dafür. So kommen natürlich auch wir als Gruppe immer wieder in den Genuss berührender Konzerte und der einen oder anderen Tanzeinlage.
Am Fusse des Pico do Fogo
Ein Highlight dieser Reise, bei der wir übrigens fünf Inseln besuchen, ist für mich immer der Aufenthalt auf Fogo. Wir übernachten bei Mariza und Mustafa, einem aussergewöhnlichen, kämpferischen Paar mit unglaublich vielen Talenten. Am Fusse des aktiven Vulkans Pico do Fogo (2829 m) im Dorf Chã das Caldeiras haben sie eine einzigartige Unterkunft erbaut, die sich perfekt in das Dorfbild einfügt. Der letzte Vulkanausbruch datiert auf November 2014, dauerte mehrere Wochen und war einer der stärksten und jüngsten in der Geschichte der Kapverden. Die Lava zerstörte grosse Teile von Chã, wie die Bewohner ihr Dorf im Inneren des Kraters liebevoll nennen. An diesem ganz besonderen Ort lassen wir uns von Marizas Kochkünsten verwöhnen und geniessen die Ruhe, den Blick in den Sternenhimmel und hinauf zum mächtigen Pico, den wir am nächsten Tag besteigen wollen.
Auf den Spuren der Vergangeneheit
Eine Reise auf die Kapverden wäre aber nicht komplett, wenn wir nicht auch die Hauptinsel Santiago besuchen würden. Nach einer spannenden Wanderung durch eine Schlucht in Richtung der ehemaligen Hauptstadt Cidade Velha setzen wir uns mit der kolonialen Geschichte und dem düsteren Kapitel des Sklavenhandels auseinander. Immer dankbare Fotomotive sind die bunten Eisvögel (Alcedo atthis) oder auch die grünen Meerkatzen (Chlorocebus), die man auf Santiago noch relativ häufig sieht. Mit unserem lokalen Guide besichtigen wir das Plateau von Praia und stöbern in den farbenfrohen Stoffen des labyrinthartigen Marktes Sucupira. Auf 15.000 Quadratmetern findet man hier wirklich alles. Was darf es denn sein: ein buntes Tischtuch oder doch lieber ein afrikanisches Kleid, das man sich in der Schweiz kaum traut anzuziehen?
Echt unterwegs auf Kapverden
Die meisten kapverdischen Inseln sind bislang vom Massentourismus verschont geblieben. Das beschert Gästen authentische Erlebnisse. Flexibilität und Aufgeschlossenheit sind das Wichtigste im Gepäck, dann wird man auf den Kapverden mit unvergesslicher Gastfreundschaft – der Morabeza – empfangen. Die Einheimischen sind der wichtigste Faktor für eine gelungene Reise, und auf den Kapverden trifft man auf warmherzige, einfache und hilfsbereite Menschen.
Ich bin sicher, dass wir nach dieser Reise nicht nur mit schönen Bildern, sondern auch mit dem Gefühl heimkehren werden, etwas Echtes erlebt zu haben.
Sind Sie mit dabei? Ich freue mich auf Sie.
Geschrieben von Sarah Leuenberger.
Hier geht’s zur Wanderreise auf Kapverden.




