Zwischen mystischen Wäldern, wilden Küsten und Olivenhainen
Schon der Landeanflug auf Korfu ist ein Erlebnis. Das Flugzeug gleitet tief über das Wasser, vorbei an der kleinen Mäuseinsel Pontikonisi, bevor es auf der kurzen Landebahn des Flughafens Ioannis Kapodistrias landet, mitten in der Stadt Korfu. Kaum eine Landung in Europa fühlt sich so spektakulär an.
Doch Korfu ist anders als das Bild, das viele Menschen von einer typischen griechischen Insel haben. Die Insel hat eine ganz eigene Persönlichkeit. Über mehrere Jahrhunderte hinweg wurde sie stark von den Venezianern geprägt, politisch, kulturell und sogar kulinarisch. Sie bauten massive Festungen und mächtige Stadtmauern, die Korfu immer wieder erfolgreich gegen osmanische Angriffe verteidigten. Dadurch gehört Korfu zu den wenigen griechischen Inseln, die nie vom Osmanischen Reich erobert wurden.
Auch die Landschaft trägt bis heute die Handschrift der Venezianer. Die sanften Hügel mit ihren silbrig schimmernden Olivenhainen sind grösstenteils ihr Vermächtnis. Sie förderten gezielt den Olivenanbau und boten den Bauern finanzielle Anreize und Steuererleichterungen, wenn sie Olivenbäume pflanzten. Heute stehen auf Korfu rund vier Millionen Olivenbäume, die nicht nur das Landschaftsbild prägen, sondern auch eines der besten Olivenöle Griechenlands hervorbringen.
Doch Korfu ist ein kultureller Schmelztiegel. Die elegante Arkadenpromenade Liston in Korfu-Stadt erinnert an französische Architektur, während die Briten ihre Spuren in Form eines Cricketfeldes mitten im Stadtzentrum hinterlassen haben.
Und dennoch oder trotz all dieser Einflüsse, ist Korfu zutiefst griechisch. In den Tavernen duftet es nach frischem Fisch, Olivenöl und Kräutern, und überall begegnet man dieser warmen, unkomplizierten Gastfreundschaft, die Griechenland so besonders macht.
Für mich persönlich hat Griechenland eine ganz besondere Bedeutung. Als junge Frau arbeitete ich schon einmal als Reiseleiterin, es fühlt sich manchmal an wie in einem früheren Leben. Inzwischen lebe ich seit über dreissig Jahren auf Zypern, aber Griechenland war meine erste grosse Liebe. Wenn ich heute mit Baumeler Wandergruppen nach Korfu reise, kommen viele Erinnerungen zurück und ich fühle mich in eine andere Zeit versetzt. Zypern ist moderner geworden, während viele griechische Inseln ihre Authentizität bewahrt haben.
Schon bei der Ankunft im Kontokali Beach Hotel, direkt am Sandstrand gelegen, spürt man diese besondere Atmosphäre. Man wird herzlich empfangen, gut bekocht und charmant umsorgt. Es ist mir immer ein Anliegen, meinen Gästen ein echtes Griechenland-Erlebnis zu ermöglichen.
Wenn unser Busfahrer uns zur ersten Wanderung abholt und wir sofort miteinander plaudern, als würden wir uns seit Jahren kennen, merke ich wieder, wie nah mir Griechenland eigentlich ist.
Wandern im wilden Süden
Unsere erste Wanderung führt uns in den Süden der Insel. Wir fahren zunächst durch touristische Orte wie Benitses, Gegenden, in denen ich immer froh bin, dass wir dort nicht wohnen müssen, bevor die Landschaft plötzlich ruhiger und ursprünglicher wird.
Der Süden von Korfu unterscheidet sich stark vom bergigen Norden. Die Landschaft wirkt weiter, wilder und offener. Wir wandern durch Wälder und über einen wunderschönen Höhenweg Richtung Santa Barbara Beach. Nach der Wanderung wartet das perfekte Finale: ein erfrischendes Bad im Meer und danach ein typisch griechisches Mittagessen in einer Taverne.
Mystische Wälder und der Strand von Liapades
Am nächsten Tag steigen wir auf dem kleinen Dorfplatz von Giannades aus dem Bus. Die Männer im Kafenion begrüssen uns neugierig. Ich frage mich immer, was sie wohl von diesen Schweizern mit Wanderstöcken denken.
Unsere Wanderung führt durch den Wald der Ropa-Ebene Richtung Liapades. Die Landschaft wirkt fast märchenhaft, moosbewachsene Steine, alte Bäume und eine stille, geheimnisvolle Atmosphäre.
Der Strand von Liapades ist von beeindruckenden Felsen umgeben, und das kristallklare Meer lädt zum Schwimmen ein. Danach geniessen wir wieder einmal eine wunderbare griechische Mahlzeit, denn Wandern macht hungrig.
Petriti und das Gefühl von Freiheit
Ein weiterer Wandertag führt uns erneut in den Süden. In Argyrades beginnt unsere Route Richtung Petriti. Wir durchqueren Felder, Wälder und kleine Dörfer. Es wird gelacht, diskutiert und philosophiert, auf meinen Baumeler-Wanderungen retten wir oft nebenbei auch noch die Welt.
Das Mittagessen in Petriti direkt am Wasser ist herrlich. Doch der Höhepunkt des Tages folgt danach: Wir steigen in ein Kaiki, ein traditionelles Fischerboot, das uns entlang der Küste zurück zum Hotel bringt. Die Küste und die Stadt Korfu vom Wasser aus beobachten zu können, ist etwas besonderes.
Manchmal singen wir sogar zur Musik aus dem Lautsprecher und fühlen uns ein wenig wie griechische Seefahrer. Wenn wir schliesslich direkt vor dem Kontokali Hotel anlegen, schauen uns manche Hotelgäste etwas irritiert an, als wollten sie fragen: Wie wagen die es nur, so stilvoll anzukommen?
Korfu-Stadt und der Heilige Spiridon
Natürlich gehört auch ein Besuch von Korfu-Stadt zu jeder Reise. Wir schlendern durch die engen Gassen der Altstadt, trinken Kaffee im Liston und die Mutigen steigen sogar hinauf zur venezianischen Festung.
Ein besonderer Ort ist die Kirche des Heiligen Spiridon. Für die Korfioten ist er weit mehr als nur ein Heiliger, er gilt als Schutzpatron der Insel. Viele Einheimische sind überzeugt, dass er Korfu in schwierigen Zeiten immer wieder beschützt hat.
Ein persönlicher Höhepunkt für mich ist der Besuch des Achilleion-Palastes, der von meiner berühmten Namensvetterin, Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sisi) erbaut wurde. Leider wird der Palast derzeit renoviert, doch allein die wunderschönen Gärten und die Aussicht über die Insel lohnen den Besuch.
Das Bergdorf Palea Perithia
Ein weiterer Wandertag führt uns in den Norden der Insel. Von Acharavi aus beginnt unsere Tour über steile Waldpfade hinauf nach Palea Perithia. Die Anstrengung lohnt sich.
Palea Perithia ist eines der faszinierendsten historischen Dörfer Korfus. Hoch unterhalb des Mount Pantokrator gelegen, gilt es als das älteste Dorf der Insel. Es wurde im 14. Jahrhundert gegründet, als die Bewohner sich vor Piratenangriffen an der Küste schützen mussten.
Viele der alten Steinhäuser waren lange verlassen und verleihen dem Ort eine geheimnisvolle, fast zeitlose Atmosphäre. Inzwischen gibt es wieder einige Tavernen, in denen man wunderbar essen kann.
Auf der Rückfahrt entlang der Nordküste sieht man Albanien zum Greifen nah. Ein kurzer Kaffeestopp in Kassiopi, einem charmanten Hafenort mit lebendiger Atmosphäre, rundet den Tag perfekt ab.
Paleokastritsa – Die spektakuläre Küste
Und immer wenn man glaubt, es könne nicht schöner werden, überrascht Korfu noch einmal. Paleokastritsa gehört zu den spektakulärsten Orten der Insel. Mehrere kleine Buchten mit türkisfarbenem Wasser liegen zwischen steilen grünen Hügeln und dramatischen Felsen.
Wir besuchen das berühmte Kloster, das der Jungfrau Maria gewidmet ist und hoch über dem Meer thront. Danach fahren wir weiter ins Dorf Makrades, geniessen etwas Dorfleben und beginnen unsere letzte Wanderung Richtung Agios Georgios Beach. Zuerst führt ein steiniger Weg mit herrlichen Ausblicken über die Küste, später wandern wir durch einen wunderschönen Olivenwald und schliesslich direkt am Strand entlang.
Ein letztes erfrischendes Bad im Meer.
Ein letztes köstliches Mittagessen in einer Taverne.
Und wieder einmal wird mir klar, warum Korfu so besonders ist. Die Insel ist nicht nur wunderschön, sie hat Seele.
Geschrieben von Elisabeth Villiger Toufexis
Hier geht es zu unserer Wanderreise auf Korfu.






