Zwischen Regenwald, Orang-Utans und kulturellen Entdeckungen
Am Telefon werde ich oft nach meinem Nachnamen gefragt. «Nur Lo, ist das alles?» oder auch: «Sind Sie denn mit einem Asiaten verheiratet?» Nein – ich bin selbst Asiatin. Mein Vater ist in Kota Kinabalu auf Borneo aufgewachsen, einer Stadt, die für ihre magischen Sonnenuntergänge über dem Südchinesischen Meer bekannt ist. Die Einheimischen nennen sie schlicht «KK». Kota bedeutet auf Malaiisch Stadt, Kinabalu verweist auf den mächtigen Berg Mount Kinabalu, der über der Region thront. Durch Familienbesuche hatte ich schon mehrfach die Gelegenheit, dieses faszinierende Land zu bereisen und seine Vielfalt hautnah zu erleben. Da wir nun in Zusammenarbeit mit der NZZ eine neue Leserreise aufgegleist haben, ist es an der Zeit, auch Sie auf eine Entdeckungsreise mitzunehmen. Ein Land, das nicht nur mit exotischer Natur, sondern auch mit gut erschlossenen Wanderwegen und eindrücklichen Naturerlebnissen begeistert.
Mount Kinabalu Nationalpark – wandern zwischen den Wolken
Der 1964 gegründete Kinabalu-Nationalpark ist Malaysias ältester Nationalpark und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Riesige Farnarten, farbenprächtige Orchideen, Rhododendren und unzählige Schmetterlinge beheimatet der Park. Besonders faszinierend ist die Rafflesia, die grösste Blume der Welt, die von August bis September blüht und einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen kann.
Für geübte Wandernde besteht die Möglichkeit, den 4095 Meter hohen Gipfel des Mount Kinabalu zu besteigen. Diese zweitägige Gipfeltour erfolgt stets in Begleitung eines lizenzierten Führers. Über viele, gut gesicherte Treppenstufen durchqueren wir verschiedene Vegetationszonen, bis wir die Schutzhütte Laban Rata erreichen. Dort erwarten uns ein warmes Nachtessen und einige Stunden Ruhe. Noch in der Nacht machen wir uns, ausgerüstet mit Stirnlampen, über die Granitplatten auf den Weg zum Gipfel. Der Mount Kinabalu liegt häufig in den Wolken, und die Sicht ist nicht immer garantiert. Umso eindrücklicher ist es, wenn bei Sonnenaufgang die Berglandschaft kurz sichtbar wird und sich die Gipfel aus dem Wolkenmeer erheben.
Kinabatangan Safari – Natur ganz nah
Sepilok im Bundestaat Sandakan ist der Ausgangsort für Bootstouren und Wanderungen am Kinabatangan Fluss. Auf einer Länge von 560 Kilometern schlängelt sich der Fluss durch dichten Regenwald und wird nicht umsonst als der «Amazonas des Ostens» bezeichnet. In den frühen Morgenstunden und während der Abenddämmerung sind wir mit kleinen Booten unterwegs, begleitet von erfahrenen Naturführern. Die Stimmung ist ruhig und fast meditativ, während der Regenwald von vielstimmigen Rufen der Grillen, Frösche und Vögel erfüllt ist. Zu den häufigsten Tierbeobachtungen zählen Makaken, Nasenaffen, farbenprächtige Hornvögel und mit etwas Aufmerksamkeit auch Schlangen. Mit etwas Glück zeigen sich seltene Borneo-Zwergelefanten am Flussufer oder ein Salzwasserkrokodil beim Sonnenbaden. Hoch oben in den Baumwipfeln leben die Orang-Utans – die «Waldmenschen» –, deren Begegnung zu den bewegendsten Momenten dieser Reise zählt.
Westmalaysia – Kultur, Tempel und Tradition
Nach einem rund dreistündigen Inlandflug erreichen wir die Insel Penang in Westmalaysia. George Town begeistert mit einer spannenden Mischung aus kolonialer Geschichte, farbenfroher Streetart und lebendiger Kultur. Ein Besuch des eindrücklichen Kek-Lok-Si-Tempels, der grössten buddhistischen Tempelanlage Malaysias, eröffnet einen weiten Blick über Stadt und Meer. Die Strände Penangs laden zudem zu entspannten Stunden am warmen Südchinesischen Meer ein. Weiter geht die Reise ins Landesinnere nach Ipoh, einer charmanten Stadt, umgeben von markanten Kalksteinfelsen. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt entdecken wir koloniale Gebäude, kleine Tempel und traditionelle Kaffeehäuser. Ebenfalls lohnend ist ein Abstecher in die Cameron Highlands. Sanfte Teehügel, duftende Gärten und nebelverhangene Wälder prägen diese kühle Hügellandschaft.
Kulinarik – ein Fest der Vielfalt
In Malaysia fragt man sich weniger, wie es einem geht, sondern vielmehr, ob man schon gegessen hat. Essen ist hier gelebte Kultur. Auf den Märkten begegnen Sie einer Küche, die chinesische, indische und malaiische Einflüsse harmonisch vereint. Überall im Land findet man duftende Garküchen, farbenfrohe Märkte und unzählige kleine Essensstände, die Malaysias berühmte Streetfood-Kultur prägen. Hier geniesst man authentische Gerichte direkt unter freiem Himmel – frisch zubereitet, aromatisch und erschwinglich. Probieren Sie Nasi Lemak, das Nationalgericht aus Kokosreis und scharfer Sambalsauce, würzige Satay Spiesschen mit Erdnusssauce oder gedämpfte Baos.
Geschrieben von Liana Lo
Hier geht es zu unserer Wanderreise nach Malaysia.







