Marokkos Königsstädte und Landschaften voller Magie und Kontraste

Eine Reise voller Begegnungen, Farben und unvergesslicher Momente

«Das kann doch nicht dasselbe Marokko sein», dachte ich, als wir vom Flughafen in Richtung Marrakesch fuhren. Noch wenige Monate zuvor hatte ich auf meiner Reko-Reise eine trockene Landschaft erlebt, die von Braun- und Ockertönen geprägt war. Nun wirkte alles überraschend grün und lebendig. Schon auf der kurzen Fahrt nach Marrakesch gab es für uns unendlich viel zu entdecken. Verhüllte Frauen, Männer in traditionellen Djellabas, unzählige Motorräder, das ständige Hupen und das geschäftige Leben auf den Strassen vermittelten uns das Gefühl, in eine völlig andere Welt eingetaucht zu sein. Immer wieder sahen wir ganze Familien auf einem einzigen Motorrad unterwegs. Für uns wirkte das Verkehrschaos zunächst unglaublich. Autos, Motorräder, Taxis, Pferdekutschen und Fussgänger teilten sich scheinbar gleichzeitig die Strassen. Gehupt wurde ständig, und dennoch schien alles irgendwie zu funktionieren.

Schon in diesen ersten Stunden wurde klar, dass uns eine Reise erwartete, die weit mehr sein würde als eine Rundreise durch ein faszinierendes Land. Gemeinsam waren wir unterwegs, eine neugierige Reisegruppe, die Marokko entdecken wollte. Dabei entstanden viele Gespräche. Oft wurde diskutiert, gefragt und gestaunt. Manche Traditionen waren uns zunächst fremd, doch genau das machte die Reise spannend.

Zwischen Medinas und Königspalästen

Schon in den ersten Tagen tauchten wir tief in die Atmosphäre von Marrakesch ein. Die engen Gassen der Medina wirkten wie ein Labyrinth voller Überraschungen. Gewürze, Stoffe, Lederwaren und kunstvolles Handwerk begleiteten uns auf Schritt und Tritt.

Marokko spricht alle Sinne an. Es riecht nach Minztee, Gewürzen und frisch gebackenem Brot. Oft blieben wir stehen, beobachteten das Treiben oder mussten den unzähligen Motorrädern ausweichen und versuchten, die vielen Eindrücke einzuordnen. Am Abend kehrten wir in unsere Riads zurück. Hinter den oft unscheinbaren Mauern eröffneten sich kleine Oasen mit ruhigen Innenhöfen, plätschernden Brunnen und einer Atmosphäre wie aus 1001 Nacht. Hier liessen wir die Erlebnisse des Tages bei angeregten Gesprächen noch einmal Revue passieren.

Begegnungen mit dem echten Marokko – unser Guide Said

Eine Reise wird nicht allein durch Landschaften geprägt. Es sind die Menschen, die in Erinnerung bleiben. Während der gesamten Reise begleitete uns unser marokkanischer Guide Said. Mit seiner ruhigen und herzlichen Art wurde er schnell zu einem wichtigen Teil unserer Gruppe. Er vermittelte uns nicht nur Wissen über Geschichte und Kultur, sondern gab uns Einblicke in seinen Alltag und das Leben der Menschen in Marokko. Immer wieder stellten wir Fragen – über Familie, Religion, Traditionen oder gesellschaftliche Veränderungen. Nicht alles war für uns sofort verständlich. Doch Said begegnete unseren Fragen mit Geduld und Offenheit. Gerade diese Gespräche halfen uns, die Kultur besser zu verstehen. Seine persönlichen Geschichten machten Marokko für uns lebendig und greifbar.

Unterwegs durch ein Land voller Gegensätze

Ein grosser Vorteil unserer Rundreise war die Möglichkeit, verschiedene Regionen kennenzulernen. Während der Busfahrten zeigte sich Marokko immer wieder von einer neuen Seite. Vorbei an traditionellen Lehmhäusern, eindrucksvollen Kasbahs und kleinen Dörfern, die sich selbstverständlich in die Landschaft einfügten, fuhren wir von einer Region zur nächsten. Gerade diese Begegnung mit einer Architektur, die seit Jahrhunderten das Bild des Landes prägt, machte viele Fahrten ebenso spannend wie die Besichtigungen selbst. Oft wurde es im Bus ganz still, wenn sich hinter einer Kurve ein besonders schöner Ausblick eröffnete. Dann folgten begeisterte Kommentare, Kameras wurden gezückt und neue Gespräche begannen.

Kunst und Kreativität vor den Toren Marrakeschs

Nicht nur die Landschaften und Wanderungen machten diese Reise besonders. Immer wieder begegneten wir Orten, die uns einen tieferen Einblick in die Kultur Marokkos ermöglichten. Ein Höhepunkt war der Besuch des Anima Gartens von André Heller. Zwischen exotischen Pflanzen, Skulpturen und Kunstobjekten entstand eine faszinierende Verbindung von Natur und Kreativität. Viele von uns hätten gerne noch länger dort verweilt. Auch die prachtvollen Paläste, Medinas und das traditionelle Handwerk zeigten uns ein Marokko, das stolz auf seine Geschichte ist und sie bis heute bewahrt.

Paradis du Safran – eine Oase für alle Sinne

Ebenso eindrücklich war das «Paradis du Safran» südlich von Marrakesch. Die Schweizerin Christine Ferrari hat dort mit viel Leidenschaft einen besonderen Ort geschaffen und erzählte uns ihre spannende und sehr persönliche Geschichte. Zwischen Kräutern, Blumen und Safranfeldern erfuhren wir viel über den Anbau des kostbaren Gewürzes und ihr Leben in Marokko. Während unseres Rundgangs begleiteten uns die Düfte von Lavendel, Rosmarin und Zitronenverbene. Einige aus der Gruppe probierten den Barfussweg aus, andere genossen einfach die Ruhe. Zum Abschluss wurden wir mit einer köstlichen Safran-Tajine verwöhnt, liebevoll dekoriert mit Blüten und Kräutern aus dem Garten. Dieser Ort war tatsächlich ein kleines Paradies und ein wunderbarer Gegenpol zum geschäftigen Marrakesch.

Fès – wie aus 1001 Nacht

Ein besonderer Höhepunkt unserer Reise war die Königsstadt Fès. Die verwinkelten Gassen der Medina schienen kein Ende zu nehmen. Hinter jeder Ecke warteten neue Eindrücke, kleine Werkstätten, Märkte und Handwerker, die ihr Können seit Generationen weitergeben. Im Vergleich zu Marrakesch empfanden viele von uns Fès als ruhiger und ursprünglicher. Während in Marrakesch der Verkehr und die ständig vorbeiflitzenden Motorräder viel Aufmerksamkeit forderten, wirkte Fès entschleunigter und authentischer.

Nach vielen Ortswechseln genossen wir es besonders, vier Nächte am selben Ort zu verbringen. Unser wunderschönes Riad fühlte sich an wie ein Palast aus 1001 Nacht. Endlich blieb Zeit, die Wäsche waschen zu lassen, den Koffer neu zu ordnen und etwas durchzuatmen. Für die Gruppe wurde Fès dadurch zu einem Ort des Ankommens und Wohlfühlens.

Wandern im Atlasgebirge und durch Oasen

Die Wanderungen gehörten für viele von uns zu den Höhepunkten der Reise. Als Wanderleiterin freue ich mich immer besonders auf jene Momente, in denen eine Gruppe gemeinsam unterwegs ist und die Natur intensiv erlebt. Besonders beeindruckend war die üppige Landschaft. Nach mehreren trockenen Jahren hatte der regenreiche Winter die Natur förmlich zum Leben erweckt. Die Hügel leuchteten grün und Wildblumen blühten entlang der Wege. Während unserer Wanderungen entstanden viele Gespräche über das Leben auf dem Land und die Bedeutung des Wassers. Wir erfuhren, dass die Bauern nach den ergiebigen Regenfällen das Futter für ihre Ziegen- und Schafherden nicht mehr teuer zukaufen mussten, weil die Weiden endlich wieder genügend Nahrung boten. Dabei wurde uns einmal mehr bewusst, wie wertvoll Wasser ist. Für uns, die wir zuhause selbstverständlich den Wasserhahn aufdrehen und jederzeit Wasser zur Verfügung haben, war es eindrücklich zu hören, wie stark das Leben vieler Menschen hier vom Regen und von den verfügbaren Wasserressourcen abhängt.

Ein Land, das nachwirkt

Nach zwei Wochen fiel uns der Abschied nicht leicht. Marokko hatte uns seine unterschiedlichsten Seiten gezeigt: lebendige Städte, beeindruckende Landschaften und eine Kultur, die uns oft zum Nachdenken brachte. Für mich war es besonders schön zu erleben, wie aus einzelnen Reisenden eine Gemeinschaft wurde. Gemeinsam staunten wir, wanderten, diskutierten und sammelten Erinnerungen. Wenn ich heute an diese Reise zurückdenke, erinnere ich mich nicht nur an die Gespräche mit Said oder die vielen Begegnungen unterwegs. In Erinnerung bleiben werden mir auch die gemeinsamen Mahlzeiten – eine dampfende Tajine bei einer Berberfamilie, frische Salate auf einer sonnigen Terrasse oder ein Glas süsser Minztee. Das Essen war weit mehr als Verpflegung: es brachte uns den Menschen und ihrem Alltag auf genussvolle Weise näher.

Marokko ist für mich weit mehr als ein Reiseziel. Es ist eine Erfahrung voller Begegnungen, Gastfreundschaft und kultureller Vielfalt, die noch lange nachwirkt. Gleichzeitig haben mich die Gegensätze im Land immer wieder beschäftigt. Besonders rund um Marrakesch treffen Tradition und Moderne auf eindrückliche Weise aufeinander. Diese Kontraste haben uns oft staunen lassen und manchmal auch nachdenklich gestimmt.

Viele Fragen sind geblieben. Vielleicht ist genau das das Faszinierende an diesem Land: Je mehr man entdeckt, desto mehr möchte man verstehen. Und vielleicht finde ich auf meiner nächsten Reise einige Antworten darauf.

Geschrieben von Karin Meier

Hier geht es zu unserer Wanderreise «Königliches Marokko».