Piemont erfahren – wo Genuss und Landschaft verschmelzen

Eine Reise durch meine Wahlheimat

Seit zehn Jahren lebe ich nun im Piemont – lange genug, um zu wissen, wo es den besten Espresso gibt, und kurz genug, um mich immer noch nach jeder Kurve über das Panorama zu freuen.

Diese Reise habe ich konzipiert, weil ich wollte, dass Menschen das Piemont so erleben, wie ich es kenne: nah, genussvoll, überraschend vielseitig. Während ich die Route zusammengestellt habe, hatte ich ständig dieses Gefühl und die Hoffnung etwas Tolles und Unvergessenes zu erstellen. Dabei versetze ich mich in die Rolle als Gast, was bringt mich zum Staunen, zum Lachen und stelle mir sie schon vor, die Gespräche über Wein, Landschaft und das Leben. Genau dafür ist diese Reise gemacht.

Anreise: Der Moment, in dem alles beginnt

Start ist in der Schweiz, und wir rollen gemütlich Richtung Süden. Im Bus entsteht diese typische Stimmung: Vorfreude, Neugier und die Frage, ob die Hügel wirklich so schön sind, wie alle sagen.

Als wir in Camino ankommen, ist die Antwort klar: Ja, sie sind es. Das Hotel liegt mitten in den Reben, und beim ersten Abendessen bekommt man sofort einen Vorgeschmack auf die Küche der Region. Ich weiss jetzt schon: Spätestens hier schaltet jeder in den piemontesischen Modus – tief durchatmen, ankommen, geniessen.

Monferrato: Wo die Hügel Geschichten erzählen

Gleich zu Beginn geht es aufs Velo – und zwar mitten hinein in die Landschaft, die mich seit Jahren begleitet. Kurz nach dem Start taucht die Kirche von Treville am Horizont auf. Sie begleitet uns wie ein stiller Wächter, der sagt: „Keine Sorge, ihr seid auf dem richtigen Weg.“

Die Route führt über schmale, gepflasterte Strassen durch Wälder und Weinberge, vorbei an Orten, die so schön sind, dass man kurz vergisst zu treten. Weiter geht es durch Cella Monte, eines der schönsten Dörfer Italiens. Aus dem Tuff unter der Stadt, so sagt man, wurde das ganze Monferrato erbaut. Und genau so fühlt es sich an: Das Monferrato ist nicht nur eine Landschaft, sondern ein Charakter. Angekommen an der romanischen Kirche San Quirico wirkt es, als hätte sie schon alles gesehen – und vielleicht hat sie das auch.

Barolo: Ein Dorf, das Wein atmet

Ein weiterer Höhepunkt ist die Rundtour im Herzen des Barolo-Gebiets. Wir starten in den sanften Hügeln der Langhe, radeln nach La Morra und geniessen die Aussicht, die selbst Menschen sprachlos macht, die sonst nie still sind. In Barolo selbst wirkt die Burg wie ein Denkmal für den Wein. Und irgendwie ist sie das auch. Weiter geht’s nach Monforte d’Alba, wo die Gassen so verwinkelt sind, dass man sich fast wünscht, man würde sich kurz verirren.

Das letzte Stück führt nach Roddi, zu einem familiengeführten Weingut, bergab mit so tollen Ausblicken, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Beim Winzer angekommen lernt man die Kunst des piemontesischen Weinbaus kennen – und probiert natürlich auch. Ich kenne diesen Moment: Erst wird geschnuppert, dann genippt, dann geschmunzelt. Und genau deshalb gehört dieser Stopp unbedingt ins Programm.

Turin: Eine Stadt, die man am besten auf zwei Rädern entdeckt

Ein Tag führt entlang des Po nach Turin. Wir starten im Süden der Stadt und folgen dem Fluss Po auf angenehmen Radwegen, der grünen Lunge der Stadt entlang, direkt ins Zentrum. Turin auf dem Velo zu erleben, ist ein kleines Abenteuer: elegante Boulevards, historische Plätze, Kaffeehäuser, majestätische Burgen und Paläste – man fühlt sich sofort ein bisschen kultivierter und mindestens ein Jahrhundert zurückversetzt, so majestätisch kommt einem alles vor. Nach einer Pause in der Altstadt geht es weiter flussabwärts, vorbei an Sant’Anna und entlang des Canale Cimena bis nach Chivasso. Dort wartet der Bus.

Ich bin sicher: Turin wird viele überraschen. Und zwar positiv.

Reisfelder, Reismühle und der Duft der Ebene

Direkt vom Hotel rollt man hinab in die Ebene. Die Reisfelder des Piemont wirken im Morgenlicht wie ein stilles Meer – das karierte Meer, wie man es hier nennt. Auf offiziellen Karten leider noch nicht als solches gekennzeichnet. Immer im Blick: die Hügelkette von Camino, die uns wie ein vertrauter Rückenwind begleitet.

Wir besuchen eine über 100 Jahre alte Reismühle. Bei der Führung taucht man ein in die Geschichte des Reisanbaus – und ich verspreche: Noch nie hat jemand so leidenschaftlich über Reiskörner gesprochen wie Mauro hier. Nach dem Mittagessen geht es zurück in die Hügel. Sanfte Anstiege, weite Ausblicke, zufriedene Gesichter. Ein Tag, im grössten Reisanbaugebiet Europas, der hängen bleibt.

Zwischen Schlössern und UNESCO-Hügeln

Eine meiner Lieblingstouren führt durch Cantavenna und Gabiano. Das Schloss von Gabiano taucht plötzlich zwischen den Reben auf – ein Anblick, der selbst mich nach all den Jahren noch kurz innehalten lässt. Über Ponzano erreicht man Moncalvo, die kleinste Stadt Italiens. Hier könnte man stundenlang sitzen, einen Kaffee trinken und einfach nur schauen.

Weiter geht’s zum Heiligtum von Crea, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Der Blick von oben ist grossartig, und die Kapellen des Sacro Monte erzählen Geschichten, die man nicht vergisst. Zum Abschluss gibt’s noch einen typischen Wein des Monferrato – oft überraschend anders, immer gut

Abschied: Wenn ein Stück Piemont mitreist

Nach einer Woche voller Genuss, Bewegung und Begegnungen stelle ich mir vor, wie wir beim letzten Frühstück zusammensitzen. Die Koffer sind gepackt, aber niemand hat es eilig. Und ehrlich gesagt: Man könnte stundenlang weiterreden über all die Gerichte, die Weine, die kleinen kulinarischen Überraschungen am Wegesrand. Das Piemont ist schliesslich die Wiege der Slow‑Food‑Bewegung – hier wird Essen nicht einfach serviert, sondern zelebriert.

Doch statt alles in Worte zu pressen, glaube ich: Man muss es selbst erleben. Die Ruhe, die Aromen, die Menschen, die Geschichten hinter jedem Teller. Wenn jemand am Ende sagt: „Ich komme wieder“, dann wüsste ich, dass diese Reise genau das erreicht hat, wofür sie konzipiert wurde. Das Piemont hat diese Wirkung. Es lässt niemanden unverändert.

Warum das Piemont diese eine Reise wert ist

Das Piemont ist wie gemacht fürs Velo, nicht so perfekt, aber authentisch. Diese Mischung aus sanften Hügeln, kleinen Überraschungen hinter jeder Kurve und kulinarischen Belohnungen, die jeden Anstieg rechtfertigen – das findet man so schnell kein zweites Mal.

Und ganz ehrlich: Wenn man hier lebt, stolpert man ständig über Orte, bei denen man denkt: „Das müssen andere auch sehen. Und schmecken.“ Also habe ich all diese Lieblingsstellen, Aussichtspunkte, Weingüter, Dörfer und Genussmomente zu einer Route zusammengesetzt, die genau das zeigt, was das Piemont ausmacht. Und zusätzlich wird man noch mit Infos von mir über das Leben hier gefüttert.

Ich freue mich jetzt schon auf die Gäste, die mit mir hier durchrollen – mit Rückenwind, breitem Grinsen und vielleicht dem Gedanken: „Warum habe ich das nicht schon früher gemacht?“

Denn am Ende geht es genau darum: rauf aufs Velo, rein ins Piemont und raus mit Geschichten, die man so schnell nicht vergisst.

Geschrieben von Sven Heinitz

Hier geht es zu unserer Elektroveloreise ins genussvolle Piemont.