Slowenien mit dem Elektrovelo geniessen

Wenn Lernen zur Reise wird

Als Berufsschülerin in Luzern hatte ich die Möglichkeit, Teil eines ganz besonderen Schulprojekts zu sein. Unser Ziel war es, einen Sprachaufenthalt, ein gemeinnütziges Engagement oder ein anderwärtiges Projekt zu realisieren. Ich entschied mich für eine Reise – aber nicht irgendeine Reise. Ich durfte eine Elektrovelotour durch Slowenien begleiten. Was sich zunächst wie ein sportliches Abenteuer anhörte, wurde zu einer emotionalen, landschaftlich überwältigenden und kulturell bereichernden Erfahrung, die ich nie vergessen werde.

Ankommen und Staunen

Der erste Tag begann mit einem Flug von Zürich nach Ljubljana. Schon beim Landeanflug spürte ich, dass dieses Land etwas Besonderes ist. Mit dem Bus ging es weiter nach Bled, wo wir die majestätische Burg besichtigten. Der Blick auf den türkisblauen See war wie aus einem Märchen. Beim Mittagessen genossen wir die berühmte «Cremeschnitta» – ein Dessert, das so luftig und süss war, dass ich sofort verstand, warum es hier Kultstatus hat. Leider mussten wir wegen des Wetters auf unsere geplante Probefahrt verzichten, aber die Vorfreude auf die kommenden Tage war ungebrochen. Am Abend bot uns ein gemütlicher Apéro die perfekte Gelegenheit, einander in entspannter Atmosphäre kennenzulernen. Schon nach kurzer Zeit spürte ich, dass wir uns wunderbar verstehen würden.

Wälder, Weiden und Wellness

Unsere erste richtige Etappe führte uns von Ribčev Laz nach Kranjska Gora. Der Aufstieg war lang, aber dank der Unterstützung des Elektrovelos gut machbar. Die Abfahrt danach war ein Traum – durch dichte Wälder, vorbei an blühenden Wiesen mit Kühen und Pferden. Immer wieder blitzten mächtige Bergspitzen durch das Grün. Die Natur war so lebendig, dass ich fast vergass, dass wir uns fortbewegten. Nach einer Pizza-Stärkung meisterten wir die letzten Kilometer und erholten uns im Hotel mit Blick auf den Berg Špik im Wellnessbereich. Ein perfekter Abschluss für einen intensiven Tag.

Der Vršič Pass – Herausforderung und Belohnung

Heute wurde es ernst: Der Vršič Pass wartete auf uns. Wir fuhren durch das charmante Dorf Kranjska Gora, hielten am glasklaren Jasna-See und begannen dann den steilen Anstieg. Die Serpentinen forderten uns, aber oben angekommen wurden wir mit Snacks und einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Die Abfahrt war pure Entspannung. Unten besuchten wir den höchstgelegenen botanischen Garten Sloweniens und eine Käserei, wo wir ein herzhaftes Mittagessen genossen. Die Fahrt durch das Soča-Tal war landschaftlich spektakulär – türkisblaues Wasser, tiefe Schluchten und sogar eine seltene Marmorata-Forelle, die sich im Fluss zeigte.

80 Kilometer voller Wunder

Unsere längste Etappe stand bevor. Nach einem nächtlichen Regen dampfte die Soča mystisch in der Morgensonne. Die Strecke war ein Wechselspiel aus dunklen Wolken und Sonnenstrahlen, begleitet vom türkisfarbenen Fluss. Bei einer Kaffeepause sahen wir ein Schild Richtung Italien – so nah waren wir der Grenze. Nach dem Mittagessen ging es nochmals bergauf, bevor wir mit Blick aufs Meer in der Ferne die Abfahrt genossen. Am Abend überquerten wir die Grenze und liessen uns mit italienischem Essen verwöhnen – ein kulinarischer Höhepunkt.

Picknick mit Herz und Lipizzaner mit Seele

Heute durfte ich eine besondere Aufgabe übernehmen: Mit unserem Chauffeur einkaufen für das Picknick. Im «Mercator» konnte ich sogar lokalen Rohschinken degustieren. Die Landschaft wurde mediterraner – Olivenbäume, Weinreben und charmante Häuser begleiteten uns. Das Picknick war ein Fest der Sinne. Danach fuhr ich das letzte Stück mit dem Velo bis nach Lipica, wo wir das berühmte Gestüt der Lipizzaner besuchten. Der Moment, als die Fohlen mit ihren Müttern zurückritten, war magisch – eine Szene voller Anmut und Ruhe.

Tunnel, Meer und Fischgenuss

Unsere letzte Etappe führte uns über alte Bahntrassen, durch Tunnel und vorbei am italienischen Zoll. Plötzlich lag das Meer vor uns – ein Gefühl von Freiheit und Ankommen. Zum Mittagessen gab es Cevapcici und Fladenbrot, eine köstliche Stärkung für die letzten Kilometer. In Piran angekommen, sprangen wir ins 26 Grad warme Meer – pure Lebensfreude! Eine Stadtführung und ein Abendessen in einem Fischrestaurant rundeten den Tag ab. Der Oktopussalat, die Muscheln und die riesige Fischplatte waren ein kulinarischer Traum.

Abschied mit Staunen

Unser letzter Tag begann mit einem Besuch der Postojna-Höhlen – der zweitgrössten Tropfsteinhöhle der Welt. Ich war sprachlos. Die Formen, Farben und Dimensionen waren surreal. In Ljubljana hatten wir Zeit, die Stadt selbst zu erkunden, bevor uns ein lokaler Guide spannende Einblicke in die Geschichte und Kultur gab. Der letzte Abend war emotional – ein Abschied von einer Reise, die mehr war als nur ein Projekt.

Fazit: Mehr als nur eine Schulreise

Diese Elektroveloreise durch Slowenien war für mich nicht nur ein Schulprojekt, sondern eine Reise mit vielen Abenteuer, Mut und Selbstrefelxion. Ich habe gelernt, wie bereichernd es ist, neue Kulturen zu entdecken, Herausforderungen zu meistern und im Team zu wachsen. Die Landschaften, Begegnungen und kulinarischen Erlebnisse haben mich tief berührt, wie auch die vielen tiefen Gespräche mit unseren Kunden. Ich kann jedem empfehlen, Slowenien mit dem Elektrovelo zu entdecken – es ist ein Land voller Überraschungen, Schönheit und Seele.

Wer hätte gedacht, dass ein Schulprojekt so viel bewirken kann.

Geschrieben von Linda Bühlmann.

Hier geht’s zu unseren Reisen nach Slowenien.