Veloparadies Portugal

Die Küste und das ersehnte Meer, einsames Hinterland, tiefe Schluchten und breite Flüsse, Weinberge, Korkeichen, spannende Städte und reiche Kunst und Kulturschätze und besonders die Gastfreundschaft der herzliche Menschen – Bem Vindo – herzlich willkommen in Portugal! Ein Land der Gegensätze, das mich nicht mehr losgelassen hat.

Mein Weg vom Bürostuhl aufs Velo

Als ich vor über zehn Jahren nach Portugal kam, für ein Praktikum im Architekturbüro, wusste ich noch nicht, dass es eine grosse und lange Liebe wird, es war um mich geschehen. Um hier zu bleiben, musste ich aber den Beruf wechseln, die Immobilienkrise traf das Land hart, und die Bauwirtschaft stand still. Da kam mir eine Idee: Das Fahrrad war schon immer mein treuer Begleiter und so beschloss ich den Bürotisch gegen den Drahtesel zu tauschen und startete meine Arbeit als Velo Reiseleiterin bei Baumeler.

Die unbekannten Schätze entdecken

Besonders die versteckten Ecken Portugals haben es mir angetan. Ich liebe es schon immer, auf Erkundungstour zu gehen und mit neuen Ideen für eine Reise im Gepäck nach Hause zu kommen. Auf meinen Reisen durchs Land kommt es immer wieder zu spannenden Begegnungen und mit vielen dieser Menschen verbindet mich nun eine Freundschaft, so zum Beispiel mit Nuno. Wir leiten zusammen die Velo Touren für Baumeler. Nuno ist für mich ein typischer Portugiese – herzlich, fleissig, gelassen und immer mit einer helfenden Hand. Als neueste Reise sind wir mit den Gästen in Nordportugal zwischen den Flüssen Minho und Douro unterwegs.

Sonnenuntergänge geniessen am Minho

Wir starten unsere Reise in meinem absoluten Lieblingsplätzchen, dem Landsitz Boega mit Blick auf den Grenzfluss Minho und nach Galicien in Spanien. Die Sonnenuntergänge hier sind einzigartig, wenn der Himmel sich in alle erdenklichen Orangetöne verfärbt und sich im Fluss spiegelt. Die alten Gemäuer des Landsitzes sind Teil eines Klosters aus dem 15. Jahrhundert und lassen die Vergangenheit sprechen. Susanna und Ana begrüssen uns herzlich und werden uns während unseres zweitägigen Aufenthaltes kulinarisch umsorgen. Aber halt, es muss alles den Traditionen folgen. Erst wenn das Glöckchen geläutet wurde, dann können wir uns an der herrlichen Tafel bedienen. Dazu gibt es ein Gläschen Vinho Verde. Der Einfluss des frischen Atlantiks bringt einen besonders spritzigen Wein hervor, mit wenig Alkoholgehalt und reichlich Geschmack. Die Rebzeilen werden uns die nächsten Tage auf unserer Radtour noch begleiten.

Dem wilden Atlantik entlang

Ein Picknick am Atlantik, das muss sein. Das Velo darf ruhen und wir schauen sehnsüchtig auf die tosenden Wellen. Wie es den vielen Seeleuten wohl ergangen sein muss, auf ihren Entdeckungsfahrten in die ganze Welt? Die salzige Luft steigt uns in die Nase. Wir radeln weiter durch liebevoll gepflegte, kleine Dörfer und die müden, aber doch zufrieden Pilger auf dem Jakobsweg kommen uns entgegen. Da sind wir froh, dass wir auf dem Fahrrad reisen dürfen.

Radeln zwischen den Weinterrassen im Dourotal

Der zweite Teil unserer Radreise bringt einen Gegensatz, wir erreichen das bekannte Dourotal. Der Fluss hat sich in den Granit der Umgebung gefressen und der Mensch hat hier in mühsamer Arbeit über die Jahrhunderte die Weinterrassen angelegt. Diese Landschaft wurde 2001 von der UNESCO als Weltkulturerbe gekürt. Mit dem Fahrrad wollen wir die Weinreben von der Nähe erkunden und nach getaner Tretarbeit die edlen Tropfen auch verkosten. Ein krönender Abschluss ist unsere Schifffahrt, um die Blicke in Ruhe schweifen zu lassen. Wieder einmal wohnen wir an einem aussergewöhnlichen Plätzchen. Ein historisches Haus, dass liebevoll renoviert ist und mit viel Klasse und Respekt vor seiner Geschichte geführt wird. Wenn ich an das reichhaltige Frühstück denke, dann läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen und ebenso, wenn ich von unserem Restaurant im Ort träume. Portugiesische Spezialitäten gepaart mit den Weinen des Dourotals und herzlicher Gastfreundschaft.

Ich glaube ihr versteht, warum mich Portugal nun schon seit vielen Jahren so sehr fesselt. Ich freue mich schon, euch mit dem Fahrrad ein gutes Stück durch meine zweite Heimat begleiten zu dürfen.

Geschrieben von Verena Lobenwein

Hier geht’s zur Veloreise in Portugal.