Veloschiffsreisen – Aktivferien treffen auf Komfort

Flussschiffsreise? Flussschiffsreise!

Erstaunte Gesichter im Familien- und Freundeskreis: „Du, begeisterte Flussschiff-Reisende? Seit wann??“
Ja, ich! Meine anfängliche Skepsis, wegen Beengtheit oder Seekrankheit, sie wich auf der ersten Reise, am ersten Tag, und zwar vollständig: nichts davon traf zu. Seither bin ich gründlich infiziert – er ist einfach wunderschön, dieser Wechsel zwischen Naturerlebnissen, Bewegung an der frischen Luft, kulturellen/architektonischen Höhepunkten und natürlich Genuss der hervorragenden Verpflegung und des Komforts auf dem Hotelschiff. Denn dieses ist viel mehr als einfach ein Hotel. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert vom ruhigen Dahingleiten auf dem Fluss, von der Atmosphäre an Bord, von der Navigation bei Schleusen und vom Blick ins Steuerhaus mit all den Bildschirmen. Und wie für alle, die das Kofferpacken nicht zu den schönsten Dingen auf Reisen zählen, ist auch für mich der stets bereitstehende mitreisende Kleiderschrank etwas Herrliches.

Mein Traum

Woher er kommt? Lange ist’s her… unser Französischbuch in der Sekundarschule ist schuld! Da wurde die Geschichte eines Jungen erzählt, der – als Ausreisser – mit dem Velo von Paris nach Arles zu seinem Götti fahren wollte. Seither hatte ich die Idee, den in der Schweiz entspringenden Flüssen von ihrer Quelle bis zur Mündung ins Meer zu folgen, im Gebirge zu Fuss, ab dem Mittellauf auf dem Velo, und streckenweise mit dem Kanu. Wanderschuhe und Velo haben mir Vieles ermöglicht. Das waren wunderbare Erlebnisse. Aber aus dem „Plan Kanu“ sind Flussschifffahrten geworden. Stets sorgt eine zuverlässige Schiffs-Mannschaft für unbeschwerten Genuss auf den Flüssen. Deshalb überlasse ich das Kanu lieber Sportlerinnen, die die Technik beherrschen, und geniesse schöne Fahrten, Velotouren und Wanderungen in den abwechslungsreichen Flusslandschaften.

In Europa, insbesondere von der Schweiz aus, sind wir verwöhnt: In wenigen Stunden Fahrzeit erreichen wir die schönsten Flüsse. Ich habe das Glück, auf mehreren davon unterwegs gewesen zu sein, als Reisende, als Reiseleiterin, mit Velo- und Wandergruppen. Eine Lieblingsreise? Sie alle…

Voie verte

Die Velo-Route Via Rhôna beispielsweise hat mich fest in ihren Bann gezogen, und so bin ich sie als Ganzes oder auf Teilstrecken mehrere Male gefahren. Frankreich hat sie in den letzten gut zwanzig Jahren kontinuierlich ausgebaut und zunehmend vom motorisierten Verkehr getrennt, es ist ein Genuss! Dieser Genuss kann beim Fahren mit der Windrichtung fast berauschende Höhepunkte erreichen. In der Gegenrichtung aber bietet der Mistral ein erfrischendes Fitnesstraining – wie gut, dass wir, zurück an Bord, uns wieder den kulinarischen Genüssen hingeben können!

Vielseitige Rhône-Reise

Von Lyon hatte ich lange das Bild einer hektischen, lauten und auch dicht von Autos befahrenen Stadt. Unterdessen weiss ich es besser: Die Altstadt von Lyon ist eine der grössten Renaissance-Altstädte Europas, mit schönen Häusern und dem Fourvière-Hügel mit der eindrücklichen Basilika Notre-Dame. Die unglaubliche Aussicht über die Stadt lohnt jeden Schweisstropfen.

Unterhalb von Lyon verlässt die Rhône die Alpen und den Jurabogen definitiv. Aber die Landschaft wird mitnichten flach oder gar eintönig. Ich liebe den Blick auf das rote Gestein bei Roussillon, auf die Felsen bei Donzère, auf die Weiten der Flussmündungen von Isère und Durance, auf die Weinberge der Côtes-du-Rhône und auf weitere Städte wie Avignon, Tarascon oder Arles. Spätestens im Mündungsgebiet der Rhône südlich von Arles, in der Camargue, packt mich die mediterrane Atmosphäre, und Lavendelduft und das Zirpen der Zikaden sowie der Anblick von Pferden und Flamingos lassen mein Herz nochmals zwei Stufen höher schlagen.

Ein Blick zurück

„Provence und angrenzende Gebiete“ bedeutet für mich auch „Römische Geschichte“. Der Abstecher weg vom eigentlichen Rhônetal hin zum Fluss Gardon und natürlich zum Pont du Gard ist mir noch aus meiner Jugendzeit im Gedächtnis, als meine Eltern mit meinen Geschwistern und mir zum ersten Mal nach Südfrankreich reisten. Ich erinnere mich lebhaft an meine Bewunderung für die Erbauer des Aquädukts, an meine Vorstellung, wie sie wohl die riesigen Steinblöcke zu dieser Brücke aufschichteten – und an meine Begeisterung, dass das Werk heute noch steht, wie etwa auch die Amphitheater in Nîmes und Arles oder das römische Theater in Orange! Die Bewunderung ist seither eher noch gewachsen…


Auch Avignon ist für mich immer wieder neu einen Besuch wert. Dass die Päpste-Stadt beeindruckende historische Gebäude und mit Stadtmauer und dem berühmten Pont Saint-Bénézet imposante Zeugen des Mittelalters hat, überlässt mich meinen Betrachtungen in veritabler Bescheidenheit. Dann aber tauche ich gerne wieder ein in die Gegenwart, liebe es, durch die Gässchen Avignons zu schlendern und in der sommerlichen Wärme auch einmal eine Eiscrème zu schlecken – und zurück auf dem Schiff beim ruhigen Dahingleiten vom Sonnendeck aus, den Anblick von Dörfern und weiten Feldern am Ufer der Rhône sowie des unendlichen Himmels zu geniessen.

Sämtliche Baumeler-Schiffsreisen finden Sie übrigens hier: Schiffsreisen – Angebote entdecken

Und wer weiss, vielleicht geniessen wir die komfortable Version dieser Aktivreisen bald gemeinsam.

Geschrieben von Susanna Holliger

Impressionen von der Rhône-Flussfahrt