Vor 17 Jahren kam ich zum ersten Mal nach London, und vom ersten Moment an hatte die Stadt etwas, das mich verzauberte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. London ist der Schauplatz meiner Träume und inzwischen auch mein Zuhause. In der Schweiz studierte ich Anglistik und Filmwissenschaften, später folgten ein Master in moderner englischer Literatur sowie ein Master in Filmmaking an der London Film School. Heute arbeite ich als freischaffender Filmemacher in London und Zürich.
London kenne ich nicht nur aus dem Alltag, sondern auch aus unzähligen literarischen Werken, die ich während und neben meinem Studium verschlungen habe. Mich faszinieren die Millionen von Gesichtern, Geschichten und Lebenswelten, die hier aufeinandertreffen. Die Nahaufnahme gilt für mich als eine der grössten Erfindungen des Films: In einem Gesicht lassen sich ganze Geschichten lesen. London ist eine Stadt der Gesichter. Über die Schwarz-Weiss-Fotografie von Anton Corbijn entdeckte ich meine Leidenschaft für die Porträtfotografie. Seither haben mich Künstlerinnen und Künstler wie Vivian Maier, Annie Leibovitz, Gregory Crewdson, Bruce Davidson und Sally Mann begleitet und inspiriert – besonders in ihrer Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Melancholie.
London muss man sich erlaufen. Obwohl ich seit acht Jahren hier lebe und mittlerweile einen britischen Pass besitze, habe ich erst einen Bruchteil der Stadt entdeckt. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Gesicht, eine neue Geschichte oder ein neues Bild. Diese Entdeckungsfreude möchte ich auf meinen Reisen gerne mit anderen teilen.